Was ist so phaszinierend an einem Alpencross?

"Wie war Dein Urlaub? Was habt Ihr gemacht?" - "Wir waren Biken am Gardasee." - "Oh, nett."

Aber: "Wir haben einen Alpencross gemacht." - "Wow... Von wo nach wo? Wieviele Etappen? Wie war das Wetter? Mit Rucksäcken oder mit Begleitfahrtzeug? Ging alles glatt, hattet Ihr Pannen? Wie habt Ihr das mit den Quatieren gemacht, vorausgebucht oder spontan gesucht?...."

Und so weiter, und so weiter. Wer das Wort "Alpencross" in den Mund nimmt, der kann sicher sein, daß er für die nächste halbe Stunde aufmerksame Zuhörer hat - zumindest wenn sie selbst biken.

So ein AlpenCross, vor allem ein selbstorganisierter ohne Gepäcktransport, hat selbst in unserer hochtechnisierten und doppelt und dreifach abgesicherten Zeit noch immer etwas von einem Abenteuer - trotz Handy, GPS und fast überall verfügbarem Internet. Ganz einfach, weil immer noch genug schiefgehen kann: Pannen, Verletzungen, Schlechtwettereinbrüche oder schlichtes Verfahren (was durchaus auch mit GPS möglich ist ;-)

Und ganz besonders reizvoll ist ein Alpencross natürlich dort, wo man ihn alleine fahren kann, also möglichst weit weg von der ausgetretenen Mittenwald-Gardasee-Route.

Wobei "möglichst weit weg" ein sehr relativer Begriff ist. Um absolut alleine durch die Berge zu radeln muß man beileibe nicht in die Anden oder ins Himalaya. Die italienisch-französische Grenze reicht da vollauf und die ist gerade mal etwas über sechs Autostunden entfernt.
WestalpenX ist das Zauberwort, das spätestens seit Achim Zahns legendärem Buch die Augen aller ambitionierten Freizeitbiker glänzen läßt.

Schroffe Berge, großartige, absolut phaszinierende Landschaften, erstklassige Trails, fast keine anderen Biker, wenig Infrastruktur - was braucht man mehr, um ein echtes Abenteuer erleben und später davon träumen und natürlich davon erzählen zu können ?


(nun, beispielsweise eine hervorragende Kondition, einen stabilen Rücken und gute Laufschuhe für die oft mehrstündigen Tragestücke, echten Durchhaltewillen und den besten Regen- und Kaltwetterschutz, den man für Geld kaufen kann... aber davon später mehr...)
Wie es dazu kam...

Ich wollte dieses Jahr unbedingt - endlich - einen privaten Alpencross fahren.

Seit so vielen Jahren träume ich nun schon davon, aber irgendwie hat es nie geklappt. Gut, über die Alpen bin ich schon zweimal geradelt, aber wohlorganisiert mit Gepäcktransport und Vollverpflegung im Rahmen der TransAlp Challenge.

Jetzt sollte es endlich einmal in Eigenregie geschehen. Und da man solch ein Unternehmen am Besten mit guten Freunden angeht, war es für mich sozusagen der glücklichste aller Zufälle als meine beste Freundin Peggy beim gemeinsamen Grillen vor ein paar Wochen erzählte, daß sie ihren WestalpenX dieses Jahr noch einmal versuchen wollten.

Bei ihrem ersten Versuch letztes Jahr Ende August waren sie genau bis zum Ende der ersten Etappe gekommen. Nachdem am zweiten Morgen der Blick aus dem Fenster des Hotels in Sestriere nicht nur denselben eiskalten strömenden Regen offenbarte, den sie schon am Vortag sieben volle Stunden genossen hatten, sondern auch noch schneebedeckte Hänge, die bereits gute 200 Hm oberhalb des Hotel begannen, drehten sie schweren Herzens um und verbrachten stattdessen noch ein paar warme sonnige Tage am - wo wohl ? - ... am Gardasee.

Dieses Jahr sollte nun also der zweite Versuch steigen, in selber Besetzung nur drei Wochen früher. Selbe Besetzung heißt: Peggy + Stefan, Anderl und Tom.

Dazum kamen nun noch mein Freund Frank und ich sowie Peggys Zwillingsschwester Sandra und ein sehr guter Freund von ihr: Frank, oder besser: "Frank 2".

(Anm.d.R.: an der 2 ist er selbst schuld - auch intensivste Nachfrage und höchste Kreativität unsererseits konnten innerhalb der gesamten Zeit keinen passenden Spitznamen hervorbringen... selbst hat er keine Vorschläge geliefert und alle unsere Vorschläge hat er strikt abgelehnt, besonders "Otto" hat ihm für uns völlig unverständlicherweise überhaupt nicht gefallen...)


Also waren wir zu acht. Otto personi.
Achim Zahns Alpencross-Buch bei amazon.de
von links: Frank, Stefan, Tom, Frank 2, Peggy, Anderl, Sandra, Birgit