Biken in Südspanien und das im August ? ? ?
Genauso wie Ihr jetzt gerade etwas erstaunt eine Augenbraue hochzieht, hat das auch mein Freund gemacht, als ich das erste Mal mit dem Vorschlag ankam.
"Du willst allen Ernstes, daß ich mich bei 40°C im Schatten auch noch bewege?"

Na ja, zugegeben, auf den ersten Blick klingt es schon etwas verrückt, aber wenn man bedenkt, daß die Sierra Nevada bis knapp 3500 m geht, man sich die meiste Zeit in einem Bereich um die 2000 m aufhält und fast immer ein leichtes Lüftchen weht, dann war es zwar immer noch sehr warm, aber durchaus in Ordnung.

Ursprünglich unser Plan war das für dieses Jahr natürlich nicht. Eigentlich wollten wir unseren WestalpenX vom letzten Jahr neu auflegen, diesmal allerdings noch etwas ausgedehnter, d.h. Start schon am Genfer See. Fest eingeplant waren dafür die beiden mittleren Augustwochen, Urlaub eingereicht hatten wir schon im Herbst letzten Jahres.

Aber es kommt ja immer alles anders und so stand es denn dann zwei Wochen vor Abfahrt entgültig fest: der WestalpenX fällt dieses Jahr ins Wasser.
Die Sierra Nevada („verschneites Gebirge") ist mit knapp 3500m das höchste Gebirge der Iberischen Halbinsel, das i.d.R. jährlich von November bis Mai eine Schneehaube trägt. Es liegt im Süden Spaniens in den Provinzen Granada und Almería in der Autonomen Region Andalusien und ist ein Teil der Betischen Kordillere. Seit 1999 ist das Kerngebiet von 86.208 Hektar als Nationalpark geschützt.
Parque Nacional de Sierra Nevada





Soweit Wikipedia.


Der zentrale westliche Sektor der Sierra Nevada ist wie ein grandioses, nach Nordwesten geöffnetes Amphitheater, dass der Veleta (3.394 m), der Mulhacén (3.482 m) und die Alcazaba (3.384 m) bilden. Der Veleta, der von Granada aus wie ein sanfter Hügel wirkt, besitzt mit seiner Nordwand eine der spektakulärsten Steilwände Spaniens.

Der zur Provinz Almería gehörende östliche Teil der Sierra Nevada ist flacher und trockener als der westliche, aber  nicht minder schön.
Unsere Idee war nun, von Almería kommend ganz an der östlichen Seite in der Nähe von Ohanes in die Sierra Nevada einzutauchen und sie einmal entgegen dem Uhrzeigersinn innerhalb der Nationalparkgrenzen (in der Karte rot gepunktet) zu umrunden, natürlich inclusive eines Abstechers zum Veleta und zum Mulhacen.

Und genauso haben wir es dann auch gemacht (= die blaue Linie). Außerdem haben wir an vier Etappenorten jeweils noch eine Zusatzübernachtung und einen Extra-Trail-Tag eingelegt.

Und wir haben auf der letzten Etappe von Laujar de Andarax zum Ausgangsort zurück noch einen Abstecher in die Sierra de Gádor gemacht, also in das kleinere Nachbargebirge das zwischen der Sierra Nevada und der Küste liegt.

Nach unserer Rundtour haben wir dann noch einen Tag mit einem Ausflug nach Almería angehängt und einen weiteren für eine wirklich superschöne Runde im Naturpark Cabo de Gata-Níjar, der südlich von Almería liegt.
Was also tun? Den Zeitraum umändern konnten wir nicht mehr und den Urlaub sinnlos zuhause "verschenken" wollten wir auf keinen Fall. Und Biken sollte es natürlich auch sein.

Da fiel mir mein schon gut zehn Jahre zurückliegender Aufenthalt in Granada wieder ein und daß wir damals einen Ausflug in die Sierra Nevada gemacht hatten, ebenfalls im August: über 2.000 Hm am Stück nach oben - mit dem Auto damals noch... und oben eine traumschöne Bergkulisse und angenehm kühle Temperaturen...

Das war's doch: andalusische Lebensart kombiniert mit Bikegenuß pur :-)
Also fing ich an zu recherchieren, was es an Biketouren in der Sierra Nevada so gibt... und durfte recht schnell feststellen, daß dazu nicht wirklich viel im Internet zu finden ist, insbesondere so gut wie gar keine GPS-Tracks...

Das mag zum einen daran liegen, daß die Spanier offenbar (noch) lange nicht so GPS-verrückt sind, wie wir Deutschen zum anderen aber auch vielleicht daran, daß die Sierra Nevada Naturschutzgebiet und Biken dort offiziell nur auf Schotterpisten erlaubt ist.
Sendero Sulayr (GR 240)

Die Sierra Nevada ist innerhalb der roten Grenzen oben im Bild Nationalpark, also Naturschutzgebiet. In einem gigantischen Projekt wurde 2006 innerhalb dieses Naturschutzgebietes ein neuer Rundwanderweg angelegt, der sog. Sendero Sulayr (GR 240).
Jeder sollte sich bewußt sein, daß der Weg offiziell verboten ist für Biker und die Forstbeamten das auch durchaus so sehen.

Der Weg ist anspruchsvoll, nicht so sehr wegen seiner Downhillpassagen, sondern vor allem wegen der Uphills, bei denen auch die besten Biker immer wieder vom Rad und schieben werden müssen.
Also bitte, wenn Ihr den Track nachfahrt, seid rücksichtsvoll und Euch auch schon vorher bewußt, daß er Körner kosten wird :-)
Er umfaßt 19 Etappen verteilt auf 300 km, ist größtenteils sehr gut gepflegt, aber dennoch für Wanderer schon allein deshalb sehr anspruchsvoll, weil er in großer Höhe verläuft, diese auch niemals verläßt und man nur recht selten die Zivilisation berührt, insbesondere ist nur eine einzige der 19 für die Übernachtung vorgesehenen Berghütten bewirtschaftet.

Wenn man mit dem Bike unterwegs ist, hat man hier einen sehr großen Vorteil. Zwar ist es schon ein bißchen mühsam, die gut 1.000 Hm zum Weg zurück morgens wieder hochzustrampeln, aber es ist immerhin machbar.

Aber - und jetzt kommt das ganz große ABER: der Weg ist offiziell für Biker verboten.
Ausgelöst wurde die diesbezügliche Diskussion wohl durch Downhiller, die sich am Mulhacen auf der Schotterstraße mit dem Auto hinauffahren ließen, um dann bis Capileira auf dem Sendero hinunterzusurfen. Hier mag das Bikeverbot aus diesem Grunde berechtigt sein.

Auf der ganzen übrigen Strecke hingegen, stellt sich das Problem aus meiner Erfahrung heraus allerdings gar nicht erst: Der Weg ist keiner einzigen weiteren Passage ein durchgehender Downhill, sondern immer wieder von steilen und teils auch mühsamen Bergaufpassagen durchsetzt, über die ganz bestimmt niemand freiwillig ein 17kg-Bike wuchten wird.

Wer hier fährt ist in allererster Linie Mountainbiker mit Sinn für die Schönheit der Natur und einem kräftigen Quäl-Gen, kein klassischer "Downhiller", und er wird die Natur genauso achten wie jeder Wanderer und die Wege nicht kaputmachen oder die Grasnarbe aufreißen.

Unsere Route verläuft immer wieder stückweise auf dem Sendero Sulayr und ich möchte an dieser Stelle nochmals ganz ausdrücklich klarstellen: